Die Gäste sind von Theater und Wein begeistert.
(Rhein-Neckar-Zeitung, Heidelberg)


Das Stück selbst war bestes Theater … , ist ebenso intelligent wie unterhaltsam, ebenso komisch wie tiefsinnig. Dass man als Zuschauer dazu noch kulinarische Genüsse erleben darf, steigert das Vergnügen enorm. … Beide Charaktere entfalten sich, die beiden Schauspieler verkörpern die Figuren hervorragend.
(Die Rheinpfalz, Ludwigshafen)



Eindrucksvoll arrangiert …
(Schifferstadter Tagblatt)


 

Volles Haus bei der literarischen Weinprobe mit zwei Schauspielern

Die alten Geister wieder geweckt

ROTHENBURG – Um das Thema Wein ranken sich unzählige Mythen und Legenden. Mancherlei Anregung und Weisheit verbirgt sich hinter den Geschichten. Das gilt auch für Märchen. Rothenburgs einziger Winzerbetrieb ließ sich vom „Märchenzauber“ des städtischen Tourismuschefs Jörg Christöphler zu einer literarischen Weinprobe verführen. Albert Thürauf und seine Frau Elke verwandelten die „Glocken“-Kelter in eine Schaubühne und bekamen viel Zuspruch vom rund 50-köpfigen Publikum.

Märchen, der Stoff aus dem die Träume sind, passen zu Rothenburgs malerischer Kulisse aus verschiedenen Zeit­epochen, begründete der Familienbetrieb seine Entscheidung, die neue „märchenhafte“ Veranstaltungsreihe zu unterstützen und mit einem Kultur­abend zu bereichern. „Das Potential der Märchenwoche lässt sich entwickeln“, sagte Albert Thürauf mit Hinweis auf das Winzerfest, die Glocken-Gala und das Weinseminar. Aus kleinen Anfängen sind sie zu einer Institution erwachsen. Ähnlich könne sich auch der „Märchenzauber“ entfalten, meinte er. 

Auch moderne Märchen kreisen um Wahrheit und Legende. Die Geschichte von einer „etwas anderen“ Weinprobe in Form eines Theaterstücks unter dem Titel „Kellersequenz“ von Johannes Hucke erzählte von zwei ungleichen Brüdern, gespielt von Günter Weißkopf aus Dombühl und seinem Schauspielkollegen Emmerich Pilz, die nach fünfzehn Jahren Funkstille zögernd aufeinander zugehen und sich in die Arme schließen. Der eine, ein ehemaliger „Finanz-Fuzzi“ und Winzer-Seiteneinsteiger, der andere ein erfolgloser Schriftsteller und „Bruder Leichtfuß“. 

Während die beiden im Weinkeller eine Flasche nach der anderen leerten, schwelgten sie in Erinnerungen an glück­liche Tage: als fröhliche Buben in der Hängematte, beim Fußballspielen und bei Birne Helene mit Vanilleeis. Es gab viel zu be­reden und viele Weine zu probieren, die in den Spielpausen auch dem Publikum ausgeschenkt wurden. Dazu gab es auf der Bühne und im Saal herzhafte Brotschnitte aus der Küche. 

Zwischen den einzelnen Gängen verharrten die Schauspieler wie angewurzelt sitzend oder stehend in ihrer Situation als wären sie zu Salzsäulen erstarrt. Doch es kehrte wieder Leben in die Körper zurück und der Gesprächsfaden wurde weitergesponnen. 

Im Thüraufschen Theater-Weinkeller kamen sechs köstliche Weinsorten auf den Tisch. Leichte, trockene, liebliche, junge, kräftige und alte Rebensäfte aus Rothenburg, Tauberzell und Sulzfeld funkelten in den Gläsern und flossen als Labsal in die Kehlen der beiden trinkfesten Brüder. Weine von perfekter Balance. 
Ganz anders der Gesprächsverlauf, in dem die Brüder Einblicke in ihren Alltag und ihr Seelenleben gewährten. Scharfe Töne ließen die Stimmung kippen. In einer vertrackten Mischung aus Vorwürfen, Schuldzuweisungen, Wut und Zorn arbeiteten die beiden Blutsverwandten die Vergangenheit auf. Gnadenlos wurde in offenen Wunden gewühlt und keiner geschont. Beide haben sich die ganze Zeit schamlos betrogen, ergab die Lebensbeichte. 

Aus Liebe zur gleichen Frau waren die Brüder zu Kontrahenten geworden. Gefangen in ihrer Verbitterung und geplagt von Schuld- und Schamgefühlen konnte keiner einen Schritt auf den anderen zugehen. Beide gerieten in eine soziale Isolation, litten unter ihrer Verbitterung, die sie viele Jahre mit sich herumtrugen und ihnen die Lebensfreude nahm. Die Geschichte endete nicht in einem klassischen Happy-End, aber sie zeigte einen Weg der Versöhnung mit dem eigenen Schicksal. 

Es bewahrheitete sich das Sprichwort: Blut ist dicker als Wasser. Wenn es hart auf hart kommt, etwa im Angesicht von Krankheit und Tod, steht einem die Familie näher als Fremde. Im Schmerz vereint fanden die Brüder zueinander und freuten sich über das schöne Gefühl: Wir sind nicht allein und können uns gegenseitig stützen und stärken. 

Eine nachdenklich stimmende literarische Weinprobe mit heiteren Seiten. Es gab kräftigen Applaus für Darsteller und Veranstalter. Albert Thürauf stellte in Aussicht, die „Glocken“-Kelter bei weiteren Gelegenheiten in ein Kulturtempelchen zu verwandeln.

sis, 14.11.2012

 

Gelungene Premiere in der „Grotte“

Die Brüder Bernhard (Emmerich Pilz) und Caspar (Günter Weißkopf) haben sich viel zu erzählen. Alle Fotos: © Michael Vogel

Ansbach – die Theaterstadt  – ist um eine Spielstätte reicher.

Am Samstag gab es eine gelungene Premiere vom „Theater in der Grotte“. Passend zum wunderbaren Kellergewölbe drehte sich alles um das Thema Wein.

Zwei Schauspieler, sechs Sequenzen  und sechs Weine sorgten für einen launigen Wein-Theater-Abend. Bei einigen Flaschen Wein (wunderbar ausgesucht von Sommelier Oliver Bönsch) wurde so einiges klargestellt zwischen den ungleichen Brüdern Bernhard ( Emmerich Pilz) und Caspar (Günter Weißkopf). Viele verbindende und trennende Erinnerungen wurden bei fruchtigen, leichten bis hin zu vollmundigen Schoppen wach.

Am Ende war zwar nicht alles gut für beide Brüder aber eines war klar: man darf gespannt sein, welches (Kultur)programm demnächst wieder viele Ansbacher in die ‚Grotte‘ lockt.

Die Gäste begrüßten (von links): Max Wäger und Benedikt Schuster Foto: © Michael Vogel

Den passenden Wein zur Theaterszene … Foto: © Michael Vogel

… klare Frucht, Birne und Holunderblüte … Silvaner Kabinett Foto: © Michael Vogel

Die Brüder Bernhard (Emmerich Pilz) und Caspar (Günter Weißkopf) haben sich viel zu erzählen Foto: © Michael Vogel

… das Kellerspiel: „Kellersequenz“ spiegelt die menschlichen Seelen zweier Brüder … Foto: © Michael Vogel

Sommelier Oliver Bönsch suchte die passenden Weine zum Theaterstück aus – es ist ihm vortrefflich gelungen! Foto: © Michael Vogel

mmmmmmh … und plötzlich ist das Glas leer … Spätburgunder Rosé Foto: © Michael Vogel

… zum Wein wurden frische Butterbrote mit Bärlauch gereicht … Foto: © Michael Vogel

… gute Stimmung, guter Wein und gute Unterhaltung auch in den Spielpausen … Foto: © Michael Vogel

zur Krönung: Brombeere, Zwetschge und Röstaroma – Blauer Zweigelt … Foto: © Michael Vogel

… ein schöner Abschluss: viel Applaus und ein Geburtstagsständchen der Theaterbesucher für den Schauspieler Günter Weißkopf … Foto: © Michael Vogel